Digital-Imaging - NEWS  
17.12.2018 11:10:00

Skandal weitet sich aus - Asiatische Newbuilt-Kartuschen sind auf breiter Basis mit DecaBDE belastet

Acht von neun getesteten chinesischen Newbuilt-Kartuschen enthalten hohe Konzentration des verbotenen toxischen Flammschutzmittels DecaBDE – das ist eine Quote von knapp 90 % und ein handfester Skandal!
In unserer September-Ausgabe DI – Digital Imaging 5-2018 hatten wir erstmals über asiatische Newbuilt-Kartuschen (NBC), die im hohen Maße mit dem verbotenen toxischen Flammschutzmittel Decabromdiphenylether (DecaBDE) belastet sind, berichtet. Der exklusive Investigativbericht hatte eine regelrechte Lawine losgetreten und war von allen wichtigen Hardcopy-Newstickern weltweit aufgegriffen und seitdem in der Branche hitzig diskutiert worden. Damals ging es um zwei NBC-Kartuschen von Static Control, die hohe Konzentrationen von DecaBDE enthielten.
Weil es klare Indizien dafür gab, dass die beiden belasteten Kartuschen kein Einzelfall waren, sondern DecaBDE auf breiter Basis in NBC aus Fernost eingesetzt wird, folgten in den letzten Wochen weitere Untersuchungen. Dazu hat der europäische Recycler-Dachverband ETIRA verschiedene Newbuilt-Kartuschen von asiatischen Herstellern über Amazon gekauft und beim TÜV Rheinland/LGA testen lassen.

Die Ergebnisse sind schockierend: Von fünf getesteten Newbuilt-Kartuschen enthielten vier DecaBDE in extrem hohen Konzentrationen – zwischen 2.000 und 17.000 mg/kg (!).
Konkret betroffen sind folgende Newbuilt-Tonerkartuschen:
- Marke Bubprint (kompatibel zu HP17A), Verkauf über den Amazon-Händler Druckerpatronen Express (Deutschland)
- Marke Prestige Print (kompatibel zu HP17A), Verkauf über den Amazon-Händler J&H Greentech and Trading Ltd. (U.K.)
- Marke Koala (kompatibel zu HP26X), Verkauf über den Amazon-Händler Lucky Suppliers Handels GmbH (Deutschland)
- Marke Yellow Yeti (kompatibel zu HP26X), Verkauf über den Amazon-Händler Simple Printing Ltd. (U.K.)

Damit waren von insgesamt neun bislang getesteten NBC, deren Ergebnisse uns vorliegen, acht positiv (belastet): Neben den beiden bereits im September getesteten, stark belasteten Kartuschen von Static Control wurde im November auch eine Kartusche von Tonerdumping mit einem extrem hohen DecaBDE-Wert von 14.000 mg/kg getestet. Von einer weiteren, stark DecaBDE-belasteten Kartusche liegen uns ebenfalls die Daten vor: Da für diese aber keine HP-Kartusche als Referenz mit analysiert wurde, wollen wir den Namen unter Verschluss halten.
Fazit: Acht von neun getesteten Kartuschen enthalten hohe Konzentrationen von DecaBDE – das ist eine Quote von knapp 90 %. Und es ist ein handfester Skandal: Wir haben es hier nicht mit einem punktuellen Problem einzelner asiatischer Hardcopy-Hersteller zu tun, vielmehr sind Newbuilt-Kartuschen aus Fernost offensichtlich auf breiter Basis mit dem verbotenen, toxischen Flammschutzmittel belastet. DecaBDE ist in der Umwelt schwer abbaubar und steht im Verdacht, sich langfristig schädlich auf die Embryonalentwicklung auszuwirken. Deshalb bewertet das Umweltbundesamt DecaBDE als bioakkumulierenden, toxischen Stoff und die EU stuft ihn als sog. POP (persistant organic potulant, bleibender organischer Schadstoff) ein.
Auch ETIRA-Generalsekretär, Vincent van Dijk, zeigte sich angesichts der neuen Analysen schockiert: „Diese Ergebnisse geben Anlass zu echter Sorge. Sie zeigen, dass wir es im Falle von DecaBDE nicht mit Einzelfällen zu tun haben sondern mit einem sytemischen Problem asiatischer Newbuilt-Kartuschen, die extrem hohe Konzentrationen einer gefährlichen Substanz enthalten. Dabei reklamieren viele asiatische Hersteller für sich sogar, dass ihre Kartuschen REACH- und RoHS-konform seien – dabei sind sie es ganz offensichtlich nicht. Wir von der ETIRA fordern deshalb die zuständigen EU- und auch nationalen Behörden auf, die belasteten Kartuschen so schnell wie möglich vom Markt zu entfernen!“
Dass Amazon bei diesem Skandal einmal mehr eine unrühmliche Rolle als wichtigste Drehscheibe für den Import der belasteten Kartuschen nach Europa spielt, überrascht nicht wirklich: Auch bei anderen Gesetzesverstößen chinesischer Unternehmen wie dem systematischen Umsatzsteuerbetrug stand der US-Online-Gigant im Mittelpunkt der Kritik.

Mit der illegalen Verwendung von DecaBDE verstoßen die betroffenen asiatischen Hersteller nicht nur gegen europäisches Recht: Schlimmer noch, gefährden sie die Gesundheit der ahnungslosen Anwender aufs Gröbste. Spätestens jetzt müssen die Behörden aufwachen und reagieren, denn es geht längst nicht mehr nur um eine Wettbewerbsverzerrung sondern um die Gefährdung europäischer Verbraucher mit einem verbotenen, karzinogenen Stoff! Jetzt gilt es, endlich konsequent bestehende europäische Gesetze anzuwenden und den Import asiatischer Newbuilt-Kartuschen nach Europa so lange zu stoppen, bis alle Anbieter den Nachweis erbracht haben, dass ihre Produkte tatsächlich ‚sauber‘ und rechtskonform sind. Das ist das Mindeste, was die deutschen und EU-Behörden ihren Bürgern schuldig sind!

Einen ausführlichen Hintergrundbericht finden Sie kurzfristig auf der DI-Startseite sowie in der Januar-Ausgabe DI – Digital Imaging 1-2019.

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