Digital-Imaging - NEWS-ARCHIV Büroring – quo vadis…?, Büroprint, Büroring, Hermann Kaiser, Jörg Schaefers, Office Innovation Days
30.08.2019 11:06:00
Offener Brief an Vorstand und Aufsichtsrat in Haan

Büroring – quo vadis…?

Nicht nur wir machen uns ernsthafte Sorgen über die jüngste Entwicklung beim Büroring und den Weg, den man in Haan zuletzt eingeschlagen hat… (© iStock/ wenmei Zhou)
Die Office Innovation Days 2019, die für den 16. und 17. September angesetzt waren, fallen in diesem Jahr aus. Das ließ Büroring-Vorstand Jörg Schaefers unlängst in einer schriftlichen Mitteilung verlautbaren. So weit, so schlecht.

Hinter der kurzfristigen Absage steckt jedoch weit mehr, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Anders als Schaefers mit seiner Begründung glauben machen möchte, kommt die „sehr geringe Anzahl von Mitglieder-Anmeldungen für die diesjährige Veranstaltung“ nämlich alles andere als überraschend: Tatsächlich scheint dahinter ein Plan zu stecken, der in der Haaner Chefetage wohl schon vor etlichen Monaten entwickelt wurde. Wie sonst lässt es sich erklären, dass bereits auf der Büroring-GV Mitte Mai in Dortmund Zweifel daran gestreut wurden, ob die Office Innovation Days 2019 überhaupt stattfinden würden…? Es sei für die Industrie ja ohnehin viel wichtiger, auf der GV Flagge zu zeigen als in Göttingen. Dabei steht außer Frage: Wenn es in den letzten Jahren eine erfolgreiche Veranstaltung der Haaner Kooperation gegeben hat, dann waren das die Office Innovation Days.

Noch merkwürdiger mutet Schaefers zweite Begründung für die Absage an. Diese sei dem Umstand geschuldet, dass „der Hauptorganisator unvorhergesehen für längere Zeit krankheitsbedingt ausfällt“. Wie bitte…? Mit dieser Erklärung disqualifiziert sich Jörg Schaefers gleich in doppelter Hinsicht: Zum einen ist es ein absolutes ‚No go‘, die Erkrankung eines Mitarbeiters öffentlich zu machen – schließlich ging die Erklärung auch an die Fachpresse. Dass der Mitarbeiter namentlich nicht genannt wurde, ist auch schon alles. Dieses ‚Feigenblatt‘ ist aber mehr als dürftig, weil jeder, der sich in der Branche bewegt, weiß, wer gemeint ist. Zum anderen sollte man als Chef nicht einen erfolgreichen Ast im Unternehmen absägen, nur weil jemand ausfällt. Dann muss man eben selber ran, oder schleunigst anderweitig Ressourcen bereitstellen.

Doch was steckt wirklich dahinter? Es spricht einiges dafür, dass Schaefers die Autonomie der Büroprint-Gruppe ein Dorn im Auge ist. Zudem bringt er selbst wenig Affinität für dieses Thema mit. Und er ist augenscheinlich ein Freund des umfassenden, genossenschaftlichen Bauchladens sowie der altbewährten Gießkanne. Eine stärkere Differenzierung mit einem hohen Commitment – wie sie sich die Büroprint-Aktiv-Mitglieder auf die Fahnen geschrieben haben – scheint ihm eher suspekt zu sein. Im Gegenteil: Ginge es nach Jörg Schaefers, dann würden die Leistungen für die Büroprint-Gruppe auch allen anderen Büroring-Mitgliedern zur Verfügung stehen – natürlich kostenlos, schließlich haben wir uns alle ganz toll lieb. Das ist nicht nur völlig konträr zu den aktuellen Marktanforderungen – es würde auch alles zunichtemachen, was die Büroprint-Gruppe in den letzten Jahren nach vorne gebracht hat.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich Schaefers mit dem Verantwortlichen für die Büroprint-Gruppe überworfen hat. Das ist sein gutes Recht. Nur sollte es seinen Blick dafür nicht trüben, dass die augenscheinlichen Erfolge der Gruppe untrennbar mit dessen hohem Engagement und exzellentem Netzwerk verknüpft sind. Das sieht übrigens auch die Mehrzahl der Büroprint-Mitglieder so. Allein die Tatsache, dass der geschrumpfte Büroprint-Händlerbeirat unlängst damit gedroht hat, geschlossen zurückzutreten, sofern der Vorstand keine befriedigenden Antworten auf die aktuell drängenden Fragen liefert, spricht Bände. Und bis heute sind Schaefers und Grzanna diese Antworten schuldig geblieben…

Im Markt wird schon länger hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, und viele Mitglieder wie auch Lieferanten stellen sich die Frage: Büroring – quo vadis…? Sie machen sich zu Recht Sorgen, weil sie nach der überraschenden Entlassung von Ingo Dewitz vor einem Jahr eines beim Büroring schmerzlich vermissen: einen Vollblut-Vertriebler mit einer klaren Vorwärtsstrategie. Die Demission von Dewitz trägt übrigens mindestens ebenso die Handschrift von Hermann Kaiser wie von Jörg Schaefers: Der Grandseigneur und langjährige Büroring-Aufsichtsratschef hat nie aufgehört, im Hintergrund seine Fäden zu ziehen. Kaiser und Schaefers scheinen zu glauben, dass sie die Haaner Genossenschaft nach vorne bringen – tatsächlich manövrieren sie diese in eine Sackgasse, insbesondere im Printing-Geschäft. Darüber können auch die zahlreichen PR-Nebelkerzen, die in den letzten Monaten aus Haan verbreitet wurden und eine heile Welt vorgaukeln sollen, nicht hinwegtäuschen.

Bauernopfer haben eine lange Tradition beim Büroring: So ist Ute Suberg seinerzeit über die desaströse Lagerumstellung gestolpert, und ihr Chef kam ungeschoren davon. Diesen traf es dann zeitverzögert einige Jahre später. Das nächste Bauernopfer wird gerade vorbereitet. Wenn der Büroring seine Zukunft nicht verspielen will, dann sollte aber der Einsatz erhöht werden: Jetzt müssen endlich der ‚König‘ und ‚Kaiser‘ ran und selbst Verantwortung übernehmen. Für fragwürdige Entscheidungen und einen Führungsstil, der sich mehr an persönlichen Animositäten abarbeitet als an sachlichen Überlegungen, was die Genossenschaft wirklich nach vorne bringt. Kurzum, für eine Entwicklung, die nicht nur uns ernsthafte Sorgen bereitet. Schließlich geht es um nicht weniger als die Zukunftsfähigkeit des Büroring.

Dr. Hubert Ortner

Drucken